Deutsch (Deutschland) en-US

Neuigkeitenarchiv

Das Analysepotenzial geokoordinatenbasierter, räumlicher Distanzberechnung und Erfordernisse des Datenschutzes in der empirischen Sozialforschung – ein lösbares Dilemma

15.11.2017
Prof. Dr. Rainer Schnell, Universität Duisburg-Essen, momentan Adjunct Professor an der Faculty of Health Sciences der Curtin-University in Perth (Australien), präsentierte im Rahmen eines Gastvortrages am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe eine Methode, räumliche Distanzen zwischen Individuen und Infrastruktureinrichtungen zu berechnen, ohne hierbei die „echten“ Geokoordinaten zu verwenden. Das vorgestellte Verfahren erzeugt Näherungswerte hoher Qualität und gewährleistet gleichzeitig einen ausreichenden Schutz individueller Daten.
Prof. Dr. Rainer Schnell erklärt ein Verfahren zur datenschutzrechtlich unbedenklichen Verwendung von Geodaten in der Sozialforschung. 

Wo jemand wohnt und arbeitet, sind nicht nur für Belange des Datenschutzes hochsensible Angaben, da sie verhältnismäßig einfach Teilnehmende von sozialwissenschaftlichen Erhebungen reidentifizierbar machen. In diesen Informationen steckt aber auch ein enormes Analysepotenzial: Welchen Einfluss hat z. B. die räumliche Distanz zu bestimmten Institutionen auf die Entscheidungen Einzelner rund um die mit diesen Institutionen verbundenen Möglichkeiten? Gibt es also einen Zusammenhang zwischen der räumlichen Distanz zu Bildungsangeboten und deren Nutzung?

Schnells Vorschlag zur Bewältigung dieses Dilemmas besteht in der Anwendung einer Distanzmatrix auf Basis eines zufällig nummerierten Punktegitters. Unter Rückgriff auf grundlegende Gesetze der Geometrie würde hier ein äußerst kleiner Fehleranteil in der Erzeugung von räumlichen Distanzmaßen entstehen. Gleichzeitig vereitle dieses Vorgehen Versuche der Reidentifikation in höchst möglichem Maße, da diese nur mit enormem Aufwand und höchsten mathematischen bzw. algebraischen Kompetenzen zu leisten wären. Mit anderen Worten: Das Verfahren gewährleiste die Pseudonymität der Daten von Teilnehmenden an Befragungen.

Damit ermögliche die Methode – im Gegensatz zu konventionell angebotenen, wenig präzisen Daten mit administrativen Gebietseinheiten als Grundeinheit – Präzision und schafft so den Spagat zwischen wissenschaftlichem Analysepotenzial einerseits und der Wahrung datenschutzrechtlicher Belange andererseits.